VOGELFLÜGE, SCHMETTERLINGSTAL.

Artenvielfalt und Artensterben in der Gegenwartsliteratur

Die Freude an der Vielfalt des Lebendigen – oder, anders gesagt: das Ideal der Fülle – prägt die menschliche Kultur seit den ältesten Paradiesvorstellungen. Antike Mosaiken präsentieren üppige Gärten mit mannigfaltiger Blumen pracht, die Artenliste der Arche Noah nimmt kein Ende, frühneuzeitliche Reisebeschreiber verzeichnen begeistert neue Spezies und nicht nur in der romantischen Dichtung trällern Lerchen und Nachtigallen.

Und heute? Das Schlagwort ‚Biodiversität‘ ist in aller Munde, die bibliophile Naturkunden-Reihe vom Verlag Matthes & Seitz umfasst mittlerweile 120 Bände und das von Henry David Thoreau 1854 begründete Nature Writing wird nun auch in Deutschland eifrig betrieben und jährlich mit einem Literaturpreis ausgezeichnet.

Vor allem aber sind es Lyrikerinnen und Lyriker, die sich dieses Themas annehmen. Inger Christensen und Wulf Kirsten, Jan Wagner und Marion Poschmann, Silke Scheuermann und Sabine Scho: Sie und viele andere gestalten in ihren Versen emphatisch Artenvielfalt, imaginieren so kenntnisreich wie poetisch biologische Mannigfaltigkeit. Allerdings: auch Archäopteryx, Dodo und die Wandertaube Martha sind längst in der Gegenwartslyrik angekommen.

PD Dr. Tanja van Hoorn

ist Literaturwissenschaftlerin an der Leibniz Universität Hannover. Sie hatte verschiedene Gast- und Vertretungsprofessuren inne und arbeitet insbesondere zum Verhältnis von Literatur und Natur.

Termin Mi 27.08.2025
Zeit 18:00 – 20:00 Uhr
Ort Hörsaal Kesselhaus (A001), Gebäude 1208, Schloßwender Straße 5
Beitrag 12 €