Die Frauen, die Männer und die Welt – Zur Semantik der Liebe in der Literatur der Frühen Neuzeit

Vortrag

Im Decameron Giovanni Boccaccios, der bedeutendsten Novellensammlung auf der Grenze zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit, stoßen wir auf eine Reihe von Frauen, die ihr Recht auf Selbstbestimmung in der Liebe mit Energie, List, Geistesgegenwart (oft erfolgreich) geltend machen und verteidigen. Man kann diesbezüglich von einer Symmetrie der Geschlechter sprechen.

Ganz anders zweihundert Jahre später im Heptaméron der Marguerite de Navarre, obwohl deren erklärtes Vorbild das Werk des Italieners ist. Hier wird in immer anderen Versionen eine Urszene durchgespielt: ein Mann, der jede Beherrschung verloren hat, versucht, eine Frau mit Gewalt zur Liebe zu zwingen. Diese verteidigt ihre „Keuschheit/Reinheit“ mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.

Der Vortrag wird die Ursachen für diese Veränderung der Geschlechterordnung historisch (u.a. Reformation) und soziologisch (z.B. handeltreibendes Bürgertum als Trägerschicht des Decameron, Aristokratie als sozialer Träger des Heptaméron) erklären.

Prof. Dr. Hans Sanders

studierte Romanistik, Philosophie und Germanistik in Bonn; Geschichte und Soziologie in Bremen. Seine Habilitationsschrift wurde mit dem Köhler-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Danach Heisenbergprofessor an der Universität Hamburg. Seit 1989 lehrt er Romanische Philologie an der Leibniz Universität Hannover.

Prof. Dr. Hans Sanders Prof. Dr. Hans Sanders Prof. Dr. Hans Sanders

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